Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Polemik nicht vergessen

Zu jW vom 27.2.: »China bringt die meisten Milliardäre hervor«

Ich fände es angemessen, wenn die Meldung über die »chinesischen Milliardäre« mit ein paar »sachlichen Zahlen« unterfüttert (…) würde. Denn: Bei rund 1.387.000.000 Indern kommt laut genannter Studie auf 10.124.087 Einwohner je ein Milliardär; bei 1.408.000.000 Chinesen kommt ein Milliardär auf 1.762.203 Einwohner – und bei 327.400.000 US-Bürgern kommt auf 520.508 Einwohner je ein Milliardär. (…) Ich meine, jW stünde es gut an, mit den Zahlen der Agenturen bewusst polemisch umzugehen!

Klaus Pöhlmann, per E-Mail

Spieß umgedreht

Zu jW vom 6.3.: »Brutale Phantasie«

Da sagte doch Bernd Riexinger auf dem »Strategietreffen« seiner Partei Die Linke in Kassel, dass nach dem Ende des Kapitalismus die bis dahin Reichen auch nützliche Arbeit leisten sollten! Ganz richtig, warum sollten sie auch weiterhin die ererbten Privilegien behalten dürfen, sich »Leistungsträger« nennen, ohne arbeiten zu müssen, während Millionen andere jahrelang Zwangsarbeiten ausführen mussten, um Hartz-IV-Gelder beziehen zu können? Und dann kommen auch noch Bild-Schreiber und Schmalspurdenker aus dem Bundestag daher, versuchen, den Spieß umzudrehen, und behaupten, ausgerechnet Die Linke fordere Zwangsarbeit, wodurch sie diese in die Nähe der Nazis zu rücken versuchen. Als ob sich nicht die Hartz-IV-Konstrukteure eher in deren Nähe befänden, wenn auch ihre Methoden, die Leute zu sinnloser Arbeit zu zwingen, erheblich subtiler sind als die der Nazis! Dagegen wünschen sich Linke nach der Abschaffung des Kapitalismus für die dann Entprivilegierten keineswegs sinnlose Arbeit, sondern lediglich, dass sie ein wenig mithelfen, die Schäden etwa an der Umwelt zu reduzieren, die rücksichtslos in ebendiesem Kapitalismus angerichtet wurden, dem sie ihre bisherigen Privilegien verdankt haben! Mehr als ein wenig Wiedergutmachung können sie ohnehin nicht leisten, weil sie dazu viel zu wenige sind und auch weil diejenigen, die es von ihnen verlangen werden, im Gegensatz zu ihnen ja human sind!

Ortwin Zeitlinger, per E-Mail

Mörderisches Prozent

Zu jW vom 6.3.: »Brutale Phantasie«

»Brutale Phantasie«? Da sind wir in Deutschland doch nicht erst seit der Unterstützung von Teilen des »einen Prozents« für Hitler viel weiter. Zur brutalen Realität gehört, dass vom Boden der BRD erneut Angriffskriege ausgehen (Jugoslawien) oder logistisch unterstützt (Irak) werden. Unser wichtigster Verbündeter, die USA, führt auch aus unserem eigenen Haus heraus etwa über Ramstein kriegerische Aktionen und Mordanschläge durch. (…) Teile des »einen Prozents« verdienen prächtig daran. Sie verdienen auch an Medien wie Bild, die durch Falschinformationen dazu beitragen, Verständnis bei der Bevölkerung für Angriffskriege zu wecken. Die Millionen Opfer der Kriege der USA und ihrer Verbündeten seit dem Zweiten Weltkrieg wären sicher froh gewesen, wenn man rechtzeitig das »eine Prozent«, welches für die Anzettelung solcher Kriege verantwortlich ist, mindestens einer nützlichen Arbeit zugeführt hätte. Es wäre die Aufgabe der Partei Die Linke gewesen, ihrerseits eine aktuelle Stunde im Bundestag darüber abzuhalten, welche Parteien dafür verantwortlich waren, dass nach einer Gesetzesänderung die Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges in Deutschland neuerdings (oder wie gehabt) nicht mehr strafbar ist. Auch die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien sind Beihilfe des »einen Prozents« zum Mord im Jemen. Wie hoch ist der Prozentsatz der Bevölkerung in Vietnam oder im Irak, den das »eine Prozent« auf dem Gewissen hat? Wer, bitte, ist hier brutal?

Fred Buttkewitz, Ulan-Ude

Ende der Zivilisation

Zu jW vom 9.3.: »Zwischen den Fronten«

Wo die Zivilisation aufhört, fängt die Barbarei an. Es gibt kaum mehr Worte, die die Situation der Flüchtlinge beschreiben könnten. Jedem, der noch einen Funken Menschlichkeit in sich trägt, dreht sich schier der Magen um. (…) Nun werden die Flüchtlinge auch noch, wie derzeit auf Lesbos, von Faschisten angegriffen oder geraten eben zwischen die Fronten von staatlichen Schlägertrupps in einem über alle Maßen zynischen »Machtspiel« zwischen dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan und der EU (…). Die weltweite Empörung war groß über die Anordnung der Clique im Weißen Haus (…), Kinder an der mexikanischen Grenze von ihren Eltern zu trennen. Der derzeitige Umgang mit den Flüchtlingen an der griechisch-türkischen Grenze, das Inhaftieren unter abscheulichen Bedingungen oder das bewusste Ertrinkenlassen im Mittelmeer lassen die Länder der EU keinen Deut besser erscheinen als die USA, auch nicht mit dem Titel Friedensnobelpreisträger! (…) Die Grenzen der EU sind nahezu dicht und werden mit Hilfe der hochgerüsteten Frontex-Agentur in Zukunft unüberwindbar für die Elenden der Welt, deren Schicksal durch die Politik des Westens, maßgeblich durch Kriege, unfaire Handelsbeziehungen etc., bestimmt wurde. Rund 70 Millionen Menschen waren 2019 weltweit auf der Flucht. Die Zahl wird sich in Zukunft durch den Klimawandel vervielfachen. Eine Studie von australischen Wissenschaftlern aus dem Jahr 2019 sieht das Ende der Zivilisation etwa Mitte des Jahrhunderts – eine optimistische Einschätzung! Die Barbarei hat vor unser aller Augen bereits begonnen.

Ulrich Becker, Alfter

Kriegsvorbereitungen

Zu jW vom 10.3.: »Preppernation des Tages: Die BRD«

China hat es geschafft, durch entschlossenes Handeln die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Doch das darf nicht sein, das kann man so nicht stehenlassen, schließlich ist China ja der Feind! Also muss man eine von Tag zu Tag immer dumpfer werdende und triefende Hetze über China und »das Regime« ergießen – eine Hetze, die mit Aufklärung und Berichterstattung überhaupt gar nichts mehr zu tun hat, sondern eher mit Kriegsvorbereitung (…).

Stefan Schmitt, per E-Mail